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KNAPPES GUT, TEURES GUT

Steigende Baupreise setzen Bauherren und Bauindustrie gleichermaßen unter Druck. Warum Baumaßnahmen derzeit teurer werden und was HOCHTIEF tut, um langfristig geplante Projekte vertragsgemäß umzusetzen.

Deutschland baut. Kräftig sogar. In die Höhe. In die Tiefe. Besonders in Großstädten, wo der Wohnraum knapp ist und der Zuzug groß. Und dort, wo mit Brücken, Straßen und Tunneln die Infrastruktur ausgebaut werden muss. Doch bisweilen bietet, was die Konjunktur fördert, auch Anlass zur Sorge. Denn wer viel baut, benötigt viel Material und viel Handwerkskraft. Und was gebraucht wird, wird nicht nur knapp, sondern auch teuer. Ob ein Bauvorhaben als Ganzes heute mehr kostet als vor zehn Jahren, spielt dabei eine eher untergeordnete Rolle. Viel zentraler ist die Herausforderung, in einem definierten Zeitraum – für die Dauer des Projekts – richtig zu kalkulieren und wettbewerbsfähig zu sein. Übergeordnetes Ziel ist es immer, einen fairen Vertragspreis zu erzielen und diesen mit voller Funktionalität und Qualität des Bauvorhabens einzuhalten.

NICHT NUR SAND WIRD KNAPPER

In den vergangenen Jahren zeigen sich massive Preissteigerungen für Materialien wie Kies, Schotter oder Holz. Begriffe übrigens, die in der deutschen Alltagssprache auch gern für Geld benutzt werden. Ein weiteres Beispiel ist Sand, der nur scheinbar grenzenlos vorhanden ist. 2018 wurden weltweit 40.000 Megatonnen des scharfkantigen Sediments verbraucht, vor allem für das Herstellen von Beton und Mörtel. Das entspricht einer Autobahn, die viereinhalbmal um die Welt führt. In deutschen Metropolregionen wie Berlin, Hamburg oder dem Rhein-Main-Gebiet, allesamt Zentren des Baubooms, wird Sand bereits zu einem knappen Gut. Denn die Verfügbarkeit hängt stark von den regionalen Gegebenheiten ab: In vielen Gebieten wird der Preis aufgrund hoher Logistikkosten unwirtschaftlich. Das weiß auch René Schlaubke, Einkaufsleiter für den gesamten Rohbau bei HOCHTIEF Infrastructure, der genau diese Materialien im Rohbau laufend einsetzt. „Der trockene Sommer hat den Transport schwerer Schüttgüter auf den Wasserstraßen erschwert. Damit steigen die Kosten.“ Zudem werden auch bestimmte Handwerksleistungen, insbesondere im Bereich technische Gebäudeausstattung oder auch hier wieder im Rohbau, teurer. „Im Augenblick reichen die Kapazitäten oft nicht für das aus, was zu bauen ist“, berichtet HOCHTIEF-Einkaufsleiter Wolfgang Klee stellvertretend für die Einkäufer vor Ort.

INTERNATIONALES PHÄNOMEN

Grundsätzlich kämpfen alle Bauunternehmen mit Versorgungsengpässen. Und zwar nicht nur in Deutschland, wo die Baubranche mit 1,9 Prozent zwar unvermindert wuchs, aber nur gut halb so schnell wie etwa in den USA. Die dortige HOCHTIEF-Tochter Turner zum Beispiel erstellt Jahr für Jahr einen Baukosten-Index aus Material- und Lohnpreisen oder auch der Produktivität. Im Durchschnitt rutschte er 2017 erstmals über die Schallmauer von 1.000 und ist im zweiten Quartal 2018 abermals um fast fünf Prozent gestiegen. Zum Vergleich: Im Basisjahr 1967 lag der Index bei 100. Am anderen Ende der Welt, in Melbourne, werden gegenwärtig beispielsweise so viele Tunnel gebaut, dass die Auftraggeber das erste australische Trainingszentrum für Tunnelarbeiter ins Leben riefen. Tausende Locals sollen dort zu Spezialisten ausgebildet werden. Bei anhaltend hohem Wachstum der Bauindustrie, den Arcadis bis 2023 auf 2,3 Prozent pro Jahr in Deutschland prognostiziert, könnten bald auch hier kreative Lösungen gefragt sein.


DURCH INNOVATIONEN KOSTEN SENKEN

Um sicherzustellen, dass der Vertragspreis ohne Einbußen bei der Qualität oder Funktionalität eingehalten werden kann, geht HOCHTIEF beispielsweise frühzeitige Vertragsbindungen mit Lieferanten ein, verhandelt mit dem Kunden fair auf der Grundlage anerkannter Preisindizes oder schlägt im Vorfeld eines Projekts eine optimierte Ausführungsplanung vor. Guido Hill, Einkaufsleiter der Building-Niederlassung Hamburg von HOCHTIEF Infrastructure, denkt da unter anderem an Leichtbau- statt Massivwände. „Die kosten weniger als massive, lassen sich zudem schneller einbauen und haben sogar den Vorteil, neuen Nutzungserfordernissen leicht angepasst werden zu können.“ In einem anderen Projekt kann eine alternative Befestigungstechnik von Fassadenelementen kostensenkend sein, auch im Einklang mit den Ansprüchen des Architekten. „Bezüglich der knapp verfügbaren Ressource Handwerkskraft setzen wir auf Firmen, bei denen wir aufgrund von Erfahrungen aus anderen Projekten oder unserer Kenntnis des Marktes sicher sind, dass sie die von uns gestellten Anforderungen nicht nur qualitativ, sondern auch kostenseitig im Sinne des Prinzips ‚Total Cost of Ownership‘ optimal erfüllen können“, so Klee. Damit sei bei der Vergabe nicht zwangsläufig der Preis ausschlaggebend. Zudem entwickle sich HOCHTIEF selbst stetig weiter. HOCHTIEF hat bereits seit vielen Jahren das Thema BIM (Building Information Modeling) in der Entwicklung vorangetrieben und mittlerweile in der täglichen Praxis im Einsatz. „Wir haben auf drei Kontinenten eine Initiative für den Einsatz weiterer innovativer Systeme und damit zur Digitalisierung über alle Bereiche gestartet“, berichtet Klee. Ein Beispiel sei der Einsatz von Drohnen, beispielsweise für das Aufmaß von Erdbewegungen beim Bau von Autobahnen. „Innovative Lösungen – auch unter Einbezug der Lieferanten und Nachunternehmer – tragen dazu bei, wirtschaftlich und effizient zu sein.“