concepts
01 | 2021
9/13
© Daniel Mahon

Jill Boag

BERUF ⇨ Project Director, CPB Contractors, Melbourne, Australien

MISSION ⇨ Das Denken erweitern

Die Idee, an einem Ultramarathon teilzunehmen, entstand aus einer Laune heraus. Im Oktober 2014 sah Jill Boag eine Anzeige für den „Big Red Run“: fast 150 Kilometer durch die lebensfeindliche Simpsonwüste im trockenen Outback Australiens, verteilt auf fünf Tage, alles für einen guten Zweck. Der Termin: Juni 2015. „Tolle Aktion“, dachte sie, und der Gedanke daran ließ sie nicht mehr los. Zwar war sie damals nie mehr als fünf Kilometer am Stück gelaufen, doch die Herausforderung reizte sie. Also suchte sie Gleichgesinnte und fing ­nach ­Weihnachten­ an­zu­trainieren.

Jill Boag bestritt bald erste Rennen, erst über zehn Kilometer, danach 21, schließlich 42. Im Juni war es dann so weit: die Stunde der Wahrheit. Ultramarathons können unterschiedlich lang sein, und dieser war besonders hart: je ein Marathon am ersten und letzten Tag, dazwischen zwei Halbmarathons und eine 15-Kilometer-Strecke. Für die meisten Menschen eine undenkbare Anstrengung, doch Jill Boag meisterte sie – und erlebte eine Überraschung: Den zweiten Marathon an Tag fünf lief sie schneller als den ersten – in sechs statt sieben Stunden. Wie gelang ihr das? „Durch Loslassen“, sagt sie. „Am letzten Tag tut einem alles weh, aber man weiß, es ist fast geschafft. Also lässt man den Schmerz los und läuft weiter.“ Die Differenz erstaunte sie dennoch. „Erst da habe ich verstanden, dass uns tatsächlich nur unsere Gedanken aufhalten. Dass man alles erreichen kann, wenn man sich darauf einlässt.“

Diese Erkenntnis setzte etwas in ihr frei, verlieh ihrer Karriere einen Schub und ­beeinflusste ­ihren ­Führungsstil.­ Heute­­ ermuntert die 45-jährige Projektleiterin ihre Mitarbeiter, ihre Ideen zu äußern, mögen sie auch noch so verrückt klingen. „Auf dem Bau treten ständig neue Herausforderungen auf, da ist Teamwork gefragt. Wenn wir die Ideen aller zulassen, können Aspekte der einen und der anderen Idee zusammengenommen in die richtige Richtung weisen. Manchmal bewirken die kleinsten Dinge eine ungeahnte Veränderung.“