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01 | 2021
10/13
© Charlotte Schreiber

Matthias Maurer

BERUF ⇨ Gesamtbetriebsratsvorsitzender der HOCHTIEF Infrastructure GmbH (in Hamburg und Essen)

MISSION ⇨ Für Gerechtigkeit sorgen

Matthias Maurers Lebenslauf kann schon stutzig machen: Was bringt einen Theologen dazu, Zimmermann zu werden? Und wie wird ein Zimmerermeister zum Gesamtbetriebsratsvorsitzenden? Er selbst würde sagen: Das war Zufall, jedenfalls in Teilen. Vieles habe sich so ergeben. Richtig ist aber auch, dass sein Umfeld ihn geprägt und die Richtung vorgegeben hat. Der heute 59-Jährige wuchs in einer Bauarbeiterfamilie in der Pfalz auf, der Vater und die Groß- und Urgroßväter waren schon Handwerker, genauer: Maurer und Stuckateure. Er selbst jobbte auf dem Bau, seit er 14 war. Gleichzeitig engagierte er sich in der kathol­ischen­ Jugendarbeit, und das ­gefiel­ ihm so sehr, dass er Pfarrer werden wollte. Doch schon während des Studiums nahm er davon wieder Abstand, so interessant er die Theologie und Philosophie inhaltlich auch fand. „Vieles aus der Zeit blieb dennoch hängen, weil ich mich damals intensiv mit sozialen Fragen auseinandergesetzt habe“, sagt er. Davon zehre er heute noch.

Zum Bau kam er, weil er nach der Uni Geld verdienen musste. Das kannte, konnte und mochte er: draußen sein, mit Menschen arbeiten, mit den eigenen Händen etwas erschaffen ­und ­gestalten. Er fing ­in Frankfurt­ als Aushilfe an, zog kurz darauf nach Hamburg und beschloss, eine Zimmermannslehre zu machen, um eine Basis zu haben. „Einfach war das nicht, alle dachten, ich spinne“, erinnert er sich. Doch er ließ nicht locker, fand bei HOCHTIEF einen Einstieg, und die Dinge nahmen ihren Lauf. Maurer arbeitete sich hoch bis zum Polier, liebte seinen Beruf und engagierte sich parallel dazu auch gewerkschaftlich, soziale Fragen bewegten ihn nach wie vor. 1994 wählten ihn die Kollegen in den Betriebsrat, weil er „gut reden“ konnte und sich für sie einsetzte. 20 Jahre lief das parallel zu seiner Arbeit. Seit 2014 kümmert er sich nun ausschließlich um diese Aufgabe. Zwar vermisst er die Baustelle, doch hat er nun auf anderer Ebene die Möglichkeit, mitzugestalten und sich für das einzusetzen, was ihm wichtig ist: mehr Gerechtigkeit am Arbeitsplatz. Zufall oder nicht: Er ist genau am richtigen Ort.