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01 | 2021
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© Picture Alliance/Newscom/Image of Sport

Bereit für Olympia

Die Welt repräsentativer Bauprojekte liebt Superlative. Was nicht in bislang unerreichte Dimensionen vorstößt, fällt schnell durchs Raster der Aufmerksamkeitsökonomie. Mit 70.000 regulären – auf 100.000 erweiterbaren – Sitzplätzen ist das neue SoFi Stadium deutlich entfernt von den größten Sportstadien des American Football. Für Richard Bach, Senior Vice President der HOCHTIEF-Tochter Turner Construction fürs südwestliche Nordamerika, ist dies kein Grund für falsche Bescheidenheit. „Das Stadion ist Weltklasse“, sagt der für den Bau Verantwortliche. Und höchst einzigartig sowieso. Was schon damit beginnt, dass die neue Heimat der Footballteams Rams und Chargers nicht nur ein richtiges Stadion, sondern auch ein gigantisches Multifunktionsgelände ist. Unter der segel­förmigen Dachkonstruktion, zusammengesetzt aus 302 teilweise beweglichen Hightech-Paneelen, ist Platz für mehrere Veranstaltungsareale, für Sport, Konzerte, Shopping, Erholung. Außer dem eigentlichen Stadion, dessen Spielfeld wegen der Einflugschneise des Airports LAX um 33 Meter tiefer gelegt wurde, überspannt das Dach auch ein Event­areal für bis zu 6.000 Gäste.

Gebaut auf dem Gelände einer früheren Pferderennbahn, ist die Gesamtfläche des Grundstücks doppelt so groß wie der Vatikanstaat. Sogar einen eigenen See gibt es. Und ein Hollywood Park Campus genannter Bereich steuert Geschäfte, Gastronomie und Büros bei. Der Besuch des SoFi Stadium wird so zu einem umfassenden Freizeiterlebnis. Ein echter Superlativ macht das repräsentative Bauprojekt am Rande von Los Angeles unverwechselbar: „The Oculus“, eine ringförmige LED-Anzeigetafel von 110 Meter Länge, die trotz ihres Gewichts von nahezu 1.000 Tonnen förmlich über dem Kunstrasen zu schweben scheint. Rund 80 Millionen Pixel versorgen die Zuschauer von jedem Punkt der Tribünen aus mit Bildern von brillanter Schärfe, 260 Lautsprecher sorgen für eine überragende Akustik zu den hochauflösenden Video­bildern, die in einer Endlosschleife projiziert werden können.

Absolut einmalig“, findet Richard Bach, der aber auch auf die spektakuläre Leistung der zeitgleich bis zu 3.250 Bauarbeiter hinweist, die in vier Jahren rund sieben Millionen Kubikmeter Erdreich bewegt haben. Sie schufen unter anderem eine Konstruktion, um das Stadion auf tektonisch aktivem Untergrund erdbebensicher zu machen. Zum Einsatz kam eine Mechanically Stabilized Earth Wall (MSE) aus vorgefertigten Elementen, die im Boden mit Stahlseilen deutscher Produktion verankert sind. Die MSE­-Technik sparte Zeit und Kosten und erlaubte eine luftige, transparente Bauweise. „Ein Stadion ohne Mauern“, wie Richard Bach lobt. Und mit natür­licher Ventilation, denn das auf 36 freistehenden Betonpfeilern schwebende Dach erlaubt es, das Stadion weitestgehend ohne Klimaanlage zu kühlen. „Der Bauherr, Rams­-Besitzer Stan Kroenke“, erinnert sich Richard Bach. „wollte etwas Luftiges, Offenes und Modernes, und das hat er bekommen. “Auch wenn die ersten Spiele coronabedingt ohne Publikum stattfanden, so lässt sich doch bereits erahnen, welche Möglichkeiten das von Turner und Partner AECUM errichtete Stadion bietet. Spätestens zu den Olympischen Spielen 2028 wird dann die ganze Welt dieses Bauwerk bewundern, denn es ist sowohl für die Auftakt- als auch für die Abschlussveranstaltung des Megaevents vorgesehen.

Text: Jan Freitag