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HIGHLIGHTS DER FRANKFURTER SKYLINE

In den vergangenen Jahrzehnten hat HOCHTIEF zahlreiche Hochhäuser in der Finanzmetropole errichtet­. Nummer 26 ist gerade im Bau. Eine ­Auswahl der markantesten und schönsten HOCHTIEF-Wolkenkratzer am Main.

Ganz oben, auf den Etagen 30 bis 37, brennt bereits Licht. Auch die Empfangshalle, mit 17 Meter Deckenhöhe ­eine der imposantesten in Frankfurt, ist schon besetzt. Doch eingezogen in den 155 Meter hohen Marienturm ist bislang noch niemand. Das sei jetzt eine „be­sondere Zeit“, bemerkt Manfred Wendig, Projektleiter des 25. Hochhausbaus von HOCHTIEF in der Bankenmetropole: „Einer­seits sind wir noch ein bisschen Baustelle, andererseits ziehen kommende Woche die ersten Mieter ein.“ Aber Zwitterzustände wie dieser, sagt der Ingenieur, seien bei derlei Projekten normal und könnten sogar ziemlich lang dauern. Deshalb wird sein Baubüro mit einer reduzierten Mannschaft auch nach Fertigstellung des Gebäudes wohl noch anderthalb Jahre bestehen bleiben. „Ein Hochhaus vermietet sich nach und nach, in der Regel von oben nach unten“, ­erläutert Wendig. Und da jeder Mieter seine eigenen Vorstellungen mitbringt, wie die jeweiligen Etagen aussehen sollen, sei der Einsatz von HOCHTIEF in dieser Phase des sogenannten Mieter­ausbaus immer noch gefragt.

Der Brandenburger Manfred Wendig kam 1990 nach einem Studium an der TU Dresden aus dem Osten Deutschlands nach Frankfurt am Main. Und damit direkt in die vielleicht westlichste aller deutschen Großstädte. Hier regiert das Geld ganz unverblümt, symbolisiert auch durch die gen Himmel strebenden Hochglanzgebäude der großen Banken. Der acht Etagen belegende Hauptmieter im Marienturm heißt denn auch Goldman Sachs. Im Zuge des möglichen Brexits verlegt der amerikanische Investment­riese seine Europazentrale von London nach Frankfurt. Das deutsche Team, zuvor im 257 Meter hohen, einst übrigens ebenfalls von HOCHTIEF errichteten Messeturm beheimatet, wird auf 700 Mitarbeiter aufgestockt und bald in den Marienturm einziehen. Dort, wo das Licht brennt, wird bereits die Computertechnik getestet, die die Finanzexperten mit dem globalen Datenstrom vernetzen wird. Als Letzte ziehen die Chefs ein. Natürlich in die spektakulären Eckbüros ganz oben. Die spanische Stardesignerin Patricia Urquiola hat den Topbankern dort ein luftig-loungiges Ambiente gestaltet.

DIE SKYLINE WÄCHST DYNAMISCH

Über die vergangenen knapp 30 Jahre hat Wendig, der mit seiner Familie im nahen Taunus wohnt, Frankfurt beim Wachsen zugesehen. Und aktiv dazu bei­getragen. Schon sein erstes HOCHTIEF-Großprojekt war ein Hochhaus, der mit 259 Metern immer noch alles überragende Commerzbank Tower, entworfen von Norman Foster. Weitere städtische Wahrzeichen sollten folgen. 2017 stellte der HOCHTIEF-Ingenieur mit seinem Team den 66 Meter hohen High­end-Wohnturm Praedium fertig, der einen früher in Deutschland nicht für möglich gehaltenen Trend belegt: Mittlerweile ist es schick, innerstädtisch und in einem Hochhaus zu leben. Zwar hatten Wolkenkratzer in Frankfurt schon immer Akzeptanz, früher allerdings auch lautstarke Gegner, die der Stadt Namen wie „Krankfurt“ einbrachten. Heute sind nicht nur die Frankfurter Bürger stolz auf ihre Wolkenkratzer. Auch Künstler, Kulturszene und kreative Stadt­entwickler loben die dynamisch wachsende Skyline – was sicher auch an der Qualität der Entwürfe liegt. „Es ist nicht einfach, in Frankfurt eine Baugenehmigung für ein Hochhaus zu erhalten“, sagt Wendig. 

 » OFT IST ES VERNÜNFTIGER, NIEDRIGER ZU BAUEN. «

MANFRED WENDIG, PROJEKTLEITER  

Anderswo sind die Entwürfe höher, spektakulärer. In Moskau beispielsweise baut man selten deutlich unter 300 Metern. Und in Asien oder Nahost? „Da muss jedes Gebäude ein echter Hin­gucker sein, ein klar sichtbares Prestigeprojekt.“ In Frankfurt legt man dagegen mehr Wert auf ein stimmiges, hochwertiges Design, funktionie­rende Ensembles von Hochhäusern und eine hohe Ausführungsqualität am Bau. Mehr als ein Dutzend neuer Hochhäuser befindet sich derzeit im Bau. Und das, ­obwohl geeignete innerstädtische Grundstücke selten sind. Einfach mal ein Hochhaus bauen, das geht in Deutschland natürlich nicht. Nachbarn und die Stadt mit ihrem detaillierten „Hochhausrahmenplan“ reden mit. Und dabei geht es nicht nur um Höhe, Ästhetik und bauliche Qualität, sondern auch um Verschattung, Windströ­mungen und Frischluftschneisen. Hohe administrative Hürden, die dazu beigetragen haben, dass Frankfurts Wolkenkratzer­kultur im internatio­nalen Vergleich geradezu bodenständig geblieben ist.

AUF PFÄHLE GESETZT 

„Die Stärke der Frankfurter Projekte“, sagt Wendig, „ist neben den etwas nüchterneren, aber zeitlosen Entwürfen ihre Wirtschaftlichkeit. Oft ist es vernünftiger, etwas niedriger zu bauen.“ Hochhäuser sind in ihrem Verhältnis von Gesamt zur Nutzfläche eigentlich ineffiziente Gebäude. Billiger wäre es, auf einer grünen Wiese in die Breite zu bauen. Das ist zum Beispiel die schwierige „Gründung“ der Riesen. Eines von drei Jahren Bauzeit, so sagt die Faustregel beim Hochhausbau, geht dafür drauf. Beim Bau der Commerzbank, erinnert sich Wendig, mussten mehr als 50 Großbohrpfähle von 40 bis 50 Meter Länge in den Baugrund gebohrt werden. Wegen der gewaltigen Maschinen, die man dafür benötigte, konnte in der Baugrube nur an drei Pfählen gleichzeitig gearbeitet werden. Das dauert. Beim kleineren Marienturm müssen die Pfähle immerhin nur 25 bis 30 Meter in den relativ weichen Frankfurter Ton einbinden, der für Hochhausbau ­eigentlich nicht besonders geeignet ist. Nur durch das geschickte Zusammenwirken der Pfähle mit der Hochhausbodenplatte und ausgeklügelte Maßnahmen im Grundbau können über­mäßige Setzungen vermieden werden. Da habe man es in New York einfacher, so Wendig, da stehe alles direkt auf Fels.


80 PROZENT NUTZFLÄCHE SIND VIEL

Nicht nur der Untergrund macht hohes Bauen aufwendig. Je deutlicher ein Gebäude in Richtung Wolken schießt, desto fester muss sein Kern sein, um eine solide Statik zu gewährleisten. Desto mehr Auf­züge, Treppen und Schächte für Versorgungstechnik benötigt man. Gerade im Querschnitt einer Etage verbirgt sich die Zauberformel der Wirtschaftlichkeit eines Hochhauses. Viel „Kern“ bedeutet wenig vermietbare Fläche. Der Marienturm erreicht mit deutlich über 80 Prozent ein sehr gutes Verhältnis der vermietbaren Fläche zur Gesamtfläche. Gegenüber Gebäuden der älteren Hochhausgeneration ist das ein erheblicher Fortschritt.

Ein großer Sprung in Sachen Effizienz könnte dem Hochhausbau in den nächsten Jahren mit neuen Aufzugssystemen gelingen. Systeme, bei denen mehrere Kabinen in einem Schacht fahren, dürften den Markt in naher Zukunft verändern. Sogar Umlaufsysteme, die wie eine ­moderne Variante der alten Pater­noster funktionieren könnten, sind im Gespräch. Hochhausbau bleibt auch in Zukunft spannend.

Wenn Manfred Wendig mal ganz privat durch Frankfurt flaniert, kann er der Familie gleichzeitig Stadtentwicklungs- und persönliche Geschichte bieten. „Schau mal, da hat der Papa mitgebaut“ ist ein Satz, der ihn immer wieder stolz macht. „Ein Hochhaus kann jeder sehen. Über Hochhäuser spricht man. Es ist kein Gebäude, das versteckt ist, bei dem man erst er­klären muss, wo es liegt.“ Vielleicht ist es genau das, was uns an Wolkenkratzern so fasziniert. Mit jedem neuen Hochhaus in Frankfurt wird deutlich, dass sich die Welt und das Leben ein Stückchen weitergedreht haben. Ambitionen, die nach oben streben, mögen die Leute. Im pulsierenden, immer mehr angesagten Frankfurt lässt sich diese Atmosphäre gerade mit Händen greifen.

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