concepts
02 | 2020
6/12

Fantasien Wirklichkeit werden lassen

Ob Bürogeschoss, Rooftop-Bar, Hotel oder Luxusapartment: Immer öfter möchten sich zukünftige Eigentümer und Mieter bei der individuellen Ausgestaltung ihrer neuen Immobilie aktiv einbringen. HOCHTIEF hat hierfür sogar eine eigene Abteilung. Dieser sogenannte Mieterausbau ist ein Bindeglied zwischen Eigner und Bauherr, Vermieter und Mieter.

Es bedarf schon eines bisschen Fantasie, um sich die verlassenen Bombenschutzräume eines ehemaligen Kasernengeländes als Präsentations- und Schulungsfläche eines modernen Gesundheitsunternehmens vorzustellen. An der Wand, zwischen Stahlbeton und Farbeimern, findet sich derzeit noch der verwitterte Hinweis, die Eingangstür erst zu schließen, „wenn Bombeneinschläge hörbar sind“. Doch schon bald wird dies ein Stück Zukunft des Mieters dieser Fläche sein. Das gestalterische Konzept dafür ist bereits im Kopf von Corina Dehne. Die Teamleiterin der HOCHTIEF-Abteilung Ausbauleistungen ist mit ihren Mitarbeitern daran beteiligt, das Gelände im Hamburger Stadtteil Bahrenfeld zum Schulungszentrum eines Medizintechnikunternehmens umzurüsten. Und ja, dafür brauche es tatsächlich „Fantasie und Vorstellungsvermögen“, sagt Dehne.

Vor mehr als 100 Jahren leistete ein preußisches Regiment seinen Dienst auf diesem Areal. Jetzt werden auch die letzten Gebäude des Rotklinkerquartiers, genannt QuBa, zukunftstauglich gemacht – darunter die meterdick ummantelten Kellerräume des Weltkriegsbunkers. Aufgabe von Corina Dehne ist der sogenannte Mieterausbau, eine noch junge Disziplin am Bau. Während Bauherr und beauftragtes Unternehmen früher vom Sockel übers Treppenhaus bis zum Dach das gesamte Objekt inklusive Raumaufteilung und Haustechniken konzipiert haben, so wünschen sich die künftigen Nutzer von heute oft mindestens ein Mitspracherecht beim Ausbau jener Räumlichkeiten, in denen sie künftig wohnen, leben, arbeiten. Und genau hier ist das stetig wachsende Team aktiv, das die gelernte Architektin Corina Dehne vor vier Jahren bei HOCHTIEF als eigene Abteilung aufzubauen begonnen hat.

Bereits in der Entstehungsphase eines Projekts sind die Mitarbeiter „beratendes Bindeglied zwischen Eigner und Bauherr, Vermieter und Mieter“, wie Dehne es ausdrückt. Im Fall des Bunkers vermittelt sie zwischen der Hamburger Quantum Immobi­lien AG und dem zukünftigen Mieter, aber auch zwischen den Interessen des Quartierschutzes, der notwendigen Kosteneffizienz und dem baulich Machbaren. Am Ende, ist sich Dehne sicher, werden alle Beteiligten zufrieden sein. Zahlreiche Gründe für ihren Optimismus lassen sich bereits in Hamburg und anderen deutschen Städten finden. In den vergangenen Jahren konnte der HOCHTIEF-­Mieterausbau zum Teil spektakuläre Projekte mitrealisieren. Zum Beispiel im 15. Stock des Campus Tower in Hamburgs jüngstem Stadtteil, der HafenCity. Luftige 50 Meter über dem Ufer der vorbeifließenden Elbe hat der weltberühmte Dreisternekoch Kevin Fehling – unweit seines eigenen Restaurants The Table – gerade die Puzzle Bar eröffnet. Seither genießen die Gäste bei gediegenen Cocktails und Gourmetsnacks den spektakulären Blick über den Hafen und das neue Viertel. Doch auch wenn sie sich von der lang gezogenen Terrasse einer ähnlich ausgedehnten Theke zuwenden, gibt es etwas zu sehen: eine Innenarchitektur nämlich, die einmalig und außergewöhnlich ist und dem ganzheitlichen Anspruch Fehlings folgt.

„Tische und Tresen sind ebenso Teil eines Puzzles wie die Drinks oder das Personal“, schwärmt Dennis Ilies, einst Vize in Fehlings visionärer Küche, jetzt selbstständiger Chef der neuen Bar. Beleuchtung und Sichtachsen, Gestaltung, Anordnung und Materialien – viele stilbildende Elemente wurden im Prozess des Mieterausbaus zusammen mit den Innenarchitekten des neuen Mieters entwickelt. Teilweise dank beratender Hilfe von HOCHTIEF. „Kevin Fehling wusste immer hundertprozentig, was er wollte“, schildert Corina Dehne die Zusammenarbeit mit dem Maître. „Aber er ist, wie er selbst sagt, Koch und kein Architekt.“ Deshalb griff die Crew immer dort ein, wo Know­how vonnöten war, ohne den geschmackssicheren Geschäftsmann und sein Team ästhetisch zu bevormunden. Das Resultat ist daher kein Kompromiss, sondern Ergebnis konstruktiven Teamworks – vom ersten Entwurf bis zur technischen Ausstattung.

Durch die Panoramascheiben der Puzzle Bar ist auch die Hamburger Elbphilharmonie zu sehen. Unter dem wellenförmigen Dach des längst legendären Meisterstücks von HOCHTIEF hat Corina Dehne mit drei Kollegen insgesamt 42 Wohnungen nach zum Teil sehr detaillierten Bewohnerwünschen mitgestaltet. Allerdings seinerzeit noch nicht als Festangestellte, sondern als „ausgeliehene Architektin meines damaligen Arbeitgebers“. Damals war sie eine Pionierin dieser unverbrauchten Sparte. Und mittlerweile beinhaltet das Portfolio ihrer Abteilung einen repräsentativen Strauß zukunftsweisender Kooperationen im Mieterausbau.

Die Palette ihrer Kundschaft reicht vom Windanlagenbauer Nordex bis zur Ärzteversorgung Niedersachsen, von der Tallence AG bis Garbe Immobilien­Projekte GmbH, vom Fruchtkonzern Chiquita bis zum Vergleichsportal Check 24. Sie alle konnten mithilfe der hanseatischen HOCHTIEF­Dependance vom Mieterausbau profitieren. Und sie alle machen HOCHTIEF zum Vorreiter eines Geschäftsfelds, das weiter an Bedeutung gewinnen wird. Nicht zuletzt, weil sich auf diese Weise größtmögliche Kundennähe herstellen lässt. 

Im Projekt QuBa, bei dem HOCHTIEF zunächst für die Material­ und Technikkonzepte zuständig ist, herrscht bereits hohe Zufriedenheit mit der Zusammenarbeit – auch wenn sie erst ziemlich am Anfang steht. „Sowohl was uns betrifft als auch den künftigen Mieter“, sagt Quantum-Geschäftsführer Stephan Pientka über seine Mieterausbau-Premiere mit HOCHTIEF, „lief die Zusammenarbeit bislang angenehm schnell und schlagkräftig.“ Dass bald weitere Kooperationen folgen, sei nicht ausgeschlossen.

Und auch Corina Dehne lobt das Projekt auf dem ehemaligen Kasernengelände nach Kräften. „Wir entwickeln gemeinsam die neuen Konzepte der Flächen“, sagt sie über den externen Auftraggeber und freut sich über Herausforderungen wie das komplizierte Raumklimakonzept. Dafür ist sie mehrmals die Woche vor Ort, auch um die Baufortschritte eines Projekts zu begutachten, das vor allem eines habe: „Charakter.“ 

Diesen nach heutigen baulichen Anforderungen zu erhalten und dennoch Funktionalität zu erzeugen, sei wohl nicht einfach, „aber wir arbeiten daran“. Und zwar nicht mehr so, wie es die restaurierte Anweisung aus heißen Kriegszeiten an der frisch verputzten Wand besagt: „Nur auf Befehl des Werkluftschutzleiters den Schutzraum verlassen.“ Die Zeit der Kommandos ist Gott sei Dank vorbei. Heutzutage herrscht Einvernehmen. Ein Grundprinzip des Mieterausbaus.