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02 | 2021
9/13
© Katrin Binner

Hans-Werner Bernhart

BERUF ⇨ Nachunternehmer-Einkäufer für Tunnelprojekte bei HOCHTIEF Infrastructure in Frankfurt am Main

MISSION ⇨ Den eigenen Horizont erweitern

Hans-Werner Bernhart ist ein Mensch, der aktiv wird, wenn er auf ein Hindernis stößt. Und so kam er auch zu seinen Bienen. Als er vor etwa 30 Jahren auf einem Grundstück ein größeres Obstfeld anlegte, mit Apfel- und Kirschbäumen, glaubte er, diese Insekten als Bestäuber für die Pflanzen zu benötigen. Und da es in seinem Dorf keinen Imker mehr gab, beschloss er kurzerhand, selbst einer zu werden. Einfach war das nicht, doch die Aufgabe faszinierte ihn. Einiges ließ sich der gelernte Industriekaufmann von einem Imker aus einem Nachbardorf zeigen, den Rest brachte er sich selbst bei. Zwei, drei Jahre brauchte er, bis er wusste, wie das mit der Einfütterung, Honigentnahme, Völkervermehrung und Schwarmkontrolle funktioniert. Heute läuft es so gut, dass er auf Schutz wie Schleier oder Handschuhe weitgehend verzichten kann. „Die Bienen stechen nur, wenn ich Fehler mache, und nur in die Hand“, sagt er. Man gewöhne sich daran.

Im Laufe der Jahre hatte er bis zu 30 Bienenvölker an mehreren Standorten. Im Hunsrück produzierte er Waldhonig, was er wieder aufgab, weil es sich nicht lohnte. In seiner Heimat Rheinhessen, wo die Obstbäume stehen, erzeugt er Rapshonig, im Taunus Edelkastanienhonig. Dabei versucht er stets, kostendeckend zu arbeiten — bei höchstmöglicher Qualität. Das Equipment war nicht günstig, und wo Geld hineinfliegt, soll auch Geld wieder herausfließen, da ist er ganz Kaufmann. Außerdem konnte er mit dem Ertrag seiner Produkte — Honig, Met und Bienenwachs — die ein oder andere Familienreise finanzieren. So ließen sich die langen, kalten Stunden auf Herbst- und Weihnachtsmärkten nachträglich versüßen. Auf den ersten Blick mag das eine ganz andere Welt sein als die Baubranche, in der er seit mehr als 30 Jahren tätig ist, 25 Jahre davon allein für HOCHTIEF als Einkäufer für Tunnelprojekte. Doch es gibt auch Gemeinsamkeiten. „Beide Bereiche sind komplex und unvorhersehbar. Es gibt immer wieder neue Überraschungen, die Probleme wiederholen sich selten“, sagt er. „Um sie zu lösen, braucht man Erfahrung und Flexibilität.“ Und immer wieder die Bereitschaft, neue Wege einzuschlagen und aus Fehlern zu lernen.