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02 | 2021
8/13
© Marko Mestrovic (Campino von Ulrike Hirtzberger)

Desislava Georgieva

BERUF ⇨ Technikerin für Abrechnung und Arbeitsvorbereitung bei HOCHTIEF Infrastructure Austria in Wien

MISSION ⇨ Die Balance finden

Das Reiten entdeckte Desislava Georgieva erst mit Anfang 30. Die gebürtige Bulgarin verbrachte 2017 ihren Sommerurlaub in der Heimat und kam eines Tages an einer Koppel vorbei. Sie war noch nie zuvor geritten, hatte aber Lust, es auszuprobieren. Die junge Diplomingenieurin suchte schon länger nach einem Ausgleich zum fordernden Job, und das Reiten vereinte alles, was sie wollte: in der Natur körperlich aktiv sein und den Kopf freibekommen — einfach ideal. Auch ohne Vorkenntnisse durfte sie aufsteigen und im Schritttempo kleine Touren reiten. Nun wollte sie es von Grund auf erlernen. „Das Führen von Pferden ist eine Wissenschaft für sich“, sagt die heute 35-Jährige. „Trotz ihrer kräftigen Statur sind Pferde empfindsame Wesen und nur, wer Vertrauen zu ihnen aufbauen kann, hat letztlich Spaß am Reiten.“ Sie setzte das neue Hobby in Kärnten fort, wo sie bis April 2021 für ein Tunnelprojekt von HOCHTIEF Infrastructure Austria tätig war. Auf einem Reiterhof nahm sie jede Woche Unterricht. Es war, wie sie es sich ausgemalt hatte: befreiend. Bald hatte sie den Dreh raus. Körperhaltung, Schenkeldruck, Zügelführung — durch Ruhebewahren sowie die gewonnene Routine fiel es ihr leicht, sich auf das Pferd einzulassen und Harmonie aufzubauen. Je sicherer sie wurde, desto mehr konnte sie es genießen. Und in dem Maße, wie beim Reiten das Gedankenkarussell rund um den Job abnahm, blühte sie auf und gewann an Durchsetzungsstärke.

Sich als junge Frau in einem männlich dominierten Umfeld zu behaupten ist nicht immer leicht. Als Technikerin muss sie beim Tagesgeschehen auf der Baustelle den Überblick behalten, Abrechnungen prüfen und erstellen sowie sämtliche Leistungen erfassen und dokumentieren — ein verantwortungsvoller Posten, in welchem Ruhe und Routine gefragt sind. Mit ihrer Sorgfalt, Geduld, Empathie und vor allem ihrem Fleiß hat sie sich im Laufe der Jahre den Respekt und das Vertrauen ihrer Kollegen erworben. Und auch hier sieht sie eine Parallele zum Reiten: „Vertrauen ist die Basis für gute Zusammenarbeit.“ Seit Mai ist sie für HOCHTIEF am Projekt Heiligenstädter Hangbrücke im Einsatz, einem spannenden Bauvorhaben in Wien, und sie hofft, auch hier einen Reiterhof zu finden, um ihre lieb gewonnene Freizeitbeschäftigung fortsetzen zu können.